Fotoalbum "USA (3/3): Washington DC. Boston."

Die beiden zweitägigen Ausflüge haben wir mit dem Bus einer russischen Reisefirma aus Brooklyn gemacht.

Washingto DC
Wash. Der erste Eindruck von Washington ist dessen weiße Farbe. Das weiße Haus, der weiße Kongress mit der weißen Kongressbibliothek und den weißen Ministerien, weiße Monumente, die weißen Federal Reserves, weiße <a href="http://www.segsinthecity.net/" target="_blank">"Monomobile"</a>. All diese blendende Helligkeit wird passend von den akkuraten sattgrünen Wiesen ergänzt. Außerdem ist auch die schwarze Farbe in Washington gut vertreten. Abgesehen von 70% der schwarzen Bevölkerung der Stadt (was ich am Tag nicht gemerkt habe) ist eine sechsmetergroße schwarze Freiheitsstatue auf der Kuppel vom Congress nicht zu übersehen.
Wash. Das erste Foto der Kapitolkuppel wurde durch das Fenster der prachtvollen Kongressbibliothek gemacht. Hier das Jefferson-Gebäude der Bibliothek von außen.
Wash. Das riesige Marmortreppenhaus am Haupeingang der Renaissance-Bibliothek lässt einen lange verweilen, bevor einige einzelne Bibliothekräume besichtigt werden können. In den Räumen sind einzigartige alte Weltkarten ausgestellt sowie eine der Gutenberg-Bibel und andere Unikate.
Wash. Aus den Busfenstern war noch ein weißes Bauwerk nicht zu übersehen - die Washington Kathedrale. Diese ist für alle Konfessionen offen und nicht in die Weltkulturerbeliste von der UNESCO eingetragen. Der neogotische Dom ist schließlich eine „frische“ Kopie von Notre Dame und Londoner Parlament in einem.
Wash. Von den unzählbaren Memorials in Washington möchte ich vor allem eines erwähnen: das Franklin Rousevelt Memorial. In gewissen Maßen kann ich diesen Park- und Skulpturenkomplex als alternativ bezeichnen. Interessant (mit vielen „dynamischen“ Denkmälern wie das Denkmal der Arbeitslosen der 1930er), vielfältig (mit unterschiedlichen Geschichtenerzählungen) und sogar gemütlich (mit Wasserfällen, Spiegelungen auf den glatten Steingefällen, Winkeln und Säulen auf der Parkfläche) – so kann ich das Memorial kurz beschreiben.
Wash. Auf dem Arlington Militärfriedhof, der durch seine tausenden weißen Grabstätten aufgefallen ist, konnten wir die spektakuläre Wachablösung beobachten. Der Gang der Soldaten ist für uns alles anders als „militärisch“ – kein preußischer Schritt, kein Paradengang, der auf dem Roten Platz zu sehen war, sondern ein so genannter „Lateinischer“ Gang – sehr sanft, weich, fließend, „etwas weiblich“. :)
Auf dem Friedhof sind ständig zeremonielle Gewehrschüsse zu hören. Das Areal ist zwar riesig, aber Platz für neue Gräber gibt es bei gleichem Tempo der Beerdigungen nur bis 2012.
Es gibt keine Blumen auf dem Militärfriedhof – das gehört nicht hierher.
Wash. Abends wurde unsere Gruppe durch den Konzertkomplex und gleitzeitig durch das Kennedy-Memorial geführt. So interessant und äußerlich attraktiv wie dieser Mensch war und so beeindruckend wie seine bescheidende Grabstätte auf dem Arlington Friedhof ist, genau so ungeheuerlich scheint mir das Denkmal für den Politiker in seinem Memorialkomlex. Auf einem Podest dient eine Mischung aus Rinde und Kaugummi als Denkmal, wobei ich es lieber ins Museum für abstrakte Performance platzieren würde.
Kompensierend sind kluge Zitaten von Kennedy auf den Wänden des Memorials eingraviert.
Beim hinteren Ausgang aus dem Kennedy Memorial öffnete sich uns ein toller Blick auf den ruhigen Fluss Potomok, den wir bei sinkender Sonne und platschenden Fontainen wie Urlaub im Urlaub genießen konnten.
Boston
Nun zu einer hübschen US-Stadt, die uns mit Regen und Regenbogen-Fähnchen empfangen hat. Weiß-rote Farbe der Bostoner Backsteinhäuschen im Stil, den ich als kolonial-hanseatisch bezeichnen würde, spiegelte sich perfekt in den verwinkelten nassen Pflastersteinstraßen. Studenten und Matrosen ziehen sorgenfrei durch die Gassen und um den Hafen rum, wo ein nettes Cafés nach dem anderen und Fischrestaurants leckere Gerüche verbreiten. Das alles gibt Boston europäisches Flair und macht daraus eine gesunde harmonische Mischung aus Hamburg und Stuttgart, so mein Eindruck.
Boston Die Wolkenkratzerkulisse ist längst nicht so überdimensioniert wie in New York, die grünen freien Flächen finden ihren Platz auch in Geschäftszentren, die Straßenplanung sieht mehr nach einem Spinnennetz als nach einem Schachbrett aus. Ordnung, Sauberkeit, Gemütlichkeit und alteuropäisches Flair – damit verbinde ich Boston.
Boston Das Viertel um den alten Markt füllen die netten Inselchen mit den Bauten aus den New England Zeiten.
Boston Wie eine Miniatur steht offen mitten in der Kreuzung einigen Straßen das alte Häuschen eines englischen General-Gouverneurs. Das weiße Türmchen wirkt besonders vorteilhaft auf dem dunklen Hintergrund eines Wolkenkratzers.
Boston Die Zeit für einen Fischlokalbesuch hat leider nicht gereicht, aber ein Fensterblick ins Innere eines schönen Bistros hat sehr einladend gewirkt. Am Nachbartisch dieses gemütlichen Lokals blätterte ein alter Intellektueller seine Tageszeitung. Dieses Lokal nannte sich erstaunlicherweise „McDonald’s“. :)
Boston Auf dem Weg nach Boston besichtigten wir die verregnete Atlantikküste. In Plymouth parken jetzt hunderte von Jachten und vor vierhundert Jahren ankerte hier die „Mayflower“ und brachte die ersten 100 Pilgerväter aus England in die Neue Welt.
Boston Salem, ein anderer Bostoner Nachbarort mit 30.000 Einwohnern „schenkte“ der Welt Halloween. Vor lauter Einschränkungen des puritanischen Lebens haben sich ein paar Dorfmädchen „just for fun“ gruselige Geschichten ausgedacht. Die übertriebene panische Reaktion der Dorfbewohner hat einen Gerichtsprozess verursacht. Im Museum, das sich übrigens im alten Kirchengebäude befindet, ist die ganze Geschichte inklusive Folterungen und Gerichtsverfahren mit Wachsfiguren detailliert und theatralisch nachgebildet.
Boston Ein architektonisch wunderbar gestaltetes Kirchengebäude in Boston ist durch die Gelder der (prominenten) Scientologen entstanden.
Boston Im Glasturm mitten in dem riesigen Architekturkomplex, der komplett den Scientologen gehört, sitzen die Hauptverwalter der Scientologykirche. Womit sich die Insassen beschäftigen, kann vielleicht Tom Cruise besser erklären. Mich hat vor allem die Architektur fasziniert.
Boston Cambridge ist nur einige Kilometer von Boston entfernt. Neben der bekannten Harvard-Universität befinden sich in Cambridge solche architektonische Schönheiten wie eine Feuerwehrstation.
Boston Viele schlossartige Harvard-Gebäude wurden von Geldern der ehemaligen Absolventen gebaut. Ob diese Kathedrale dazu gehört?
Boston Nun kann ich Cambridge und Harvard voneinander unterscheiden. Die Sache mit Oxford-Stanford bleibt für mich noch offen, aber dazu komme ich noch irgendwann. Solange lassen wir uns mal den Blick auf die Bostoner Skyline werfen und damit die USA-Fotoberichte abschließen.

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© 2003—2008 Valentina Behn