Fotoalbum "Sommerurlaub 2005 (4/4): Paris"

Dieses finale Album ist sehr bunt. Lasst uns mal deswegen ohne Vorwort gleich die Sehenswürdigkeiten durchgehen.

An einem ruhigen Morgen sind wir auf das Dach des einzigen modernen Wolkenkratzers (210 m) im Zentrum von Paris gestiegen. Der 58etagige Tour Montparnasse wurde als „Fremdkörper“ nur deshalb akzeptiert, weil sich von der Dachterrasse ein eindrucksvolles Panorama mit vielen Details auf die ganze Stadt bietet.

Direkt unter dem Turm befindet sich der Friedhof Montparnasse, der mich an dem Lissabonner Cemitério dos Prazeres erinnert. Auf diesem Gelände südlich vom Stadtzentrum standen bis 1824 mehrere Mühlen.

So ein Blick öffnet sich vom Tour Montparnasse auf den Parc du Champs de Mars, den Eiffelturm und das Hochhausviertel La Defence im Westen von Paris.

Nun sind wir wieder auf dem festen Boden und sehen die Kirche Madeleine (gebaut Mitte des 19 Jh.), die mit ihren Kolonnaden mit korinthischen Säulen wie ein griechischer Tempel wirkt.

Das pompöse Opernhaus Grande Opéra (Opéra Garnier) wurde vom jungen Architekt Garnier 1860 entworfen.

Eine Oase der Ruhe mitten im Zentrum von Paris: der Ehrenhof vom Palais Royal.

Der Palast wurde für Kardinal Richelieu im 17. Jh. gebaut. Nach dem Tod des Kardinals erbte der König den Wohnsitz, daher der Name „Königlicher Palast“. Als Ludwig XIV. das Gebäude seinem Bruder Herzog von Orléans überließ, entstanden hier viele Ladenlokale und der Garten, die vom Sohn des Herzogs wegen der finanziellen Schwierigkeiten von ersterem vermietet wurden. Heute ist das Palais Royal Sitz des Kulturministeriums.

 

Die Polizei hatte im 17.-18. Jh. keinen Zutritt, so dass unter den Säulengängen in den Palastarkaden nicht nur Cafes, Theater, Spielhäuser, Wettbuden und Bordelle ansiedelten, sondern auch liberale Clubs, in denen antimonarchistische Ideen propagiert wurden. Hier rief der Journalist Desmoulins im Juli 1789 das Volk zum Sturz der Monarchie auf.

Wir sind wieder auf der Insel Cité. Mitten im Justizpalastkomplex (ehem. Königspalast) versteckt sich eine kleine gotische Kapelle – Sainte-Chapelle. Diese Kapelle wurde Mitte des. 13. Jh. neben dem Königspalast gebaut, um die kostbare christliche Reliquien (Dornenkrone Christi) unterzubringen. König Ludwig IX. hatte die Reliquien dem Kaiser von Konstantinopel für 135.000 Livres abgekauft. Die Kosten für den Kapellenbau lagen bei ca. „nur“ 40.000 Livres.
Während der Revolution wurde Sainte-Chapelle als Symbol der Religion und der Macht stark beschädigt: die Kirchenstühle und die Reliquien waren verschwunden, die Turmspitze zerstört. Die meisten Figuren waren jedoch erhalten. 1846 wurden die Restaurierungsarbeiten begonnen und heute ist die Kirche ein Farbwunder.

Die Kirche hat zwei Ebenen. In der farbenprächtigen, aber dunklen Unterkirche (auf dem Foto) hatten Gottesdienste für den Hofstaat stattgefunden. Die Oberkirche mit viel blau-rotem Glas war nur für die Königsfamilie zugänglich. Erstaunt ist es, wie so eine zerbrechliche Schönheit den Lauf der Zeit überdauerte. Mehr als die Hälfte der riesigen Fenster ist noch original erhalten.

Es war schön, nach jahrelanger Pause die französisch-russischen Mathematiker Hassane und Juri zu treffen. Beim Essen im gemütlichen tunesischen Restaurant war es nett, mit Hassanes Freundin Laurence, die in Berlin 14 Jahre lang gelebt hat, auf Deutsch zu unterhalten. Den erwachsenen Sohn von Hassane Slim, der als 12jähriger Schüler bei uns in der Familie Russisch gelernt hat, habe ich jetzt kaum erkannt.
Vom schlichten und bescheidenen (am Tag) Platz Pigalle laufen wir durch das Rotlichtviertel an der gut erkennbaren Moulin Rouge vorbei, in Richtung Montmartre. In dieser Mühle ist niemals Mehl gemahlen worden. Hier im Variete und in der Umgebung wirbelte seit 1889 das Pariser Nachtleben.
Nun sind wir fast an der Spitze des Hügels Montmartre. Im Hintergrund ist die weiße Basilika Sacré-Coeur zu erkennen. Die erst vor kurzem (1923) gebaute Kirche beinhaltet verschiedene architektonische Elemente: romanische, gotische und byzantinische.

Zur Kirche führen 200 Stufen der breiten Treppe oder das Funiculaire. Von dieser idyllischen Stelle sind wir ins Maison Européenne de la Photographie gelaufen. Im interessanten Fotografiemuseum sind recht grandiose Werke der berühmten europäischen Fotografen aus den 60-90er Jahren des 20. Jh. ausgestellt.

Vom Haus der Fotografie bietet sich ein langer Spaziergang entlang der imposanten Rue de Rivoli bis zum Louvre an. In den Arkaden von den in einem Stil gebauten schicken Häusern trifft man außer vielen Souvenirläden traditionelle Cafes, Konditoreien, Bücherläden und noble Boutiques der modernen Modedesigner.
Paris von Oben ist nicht nur von Türmen und Dächer gut zu sehen, sondern auch von dem Riesenrad, das neben dem Jardin des Tuileries seine Runden dreht. Von der Abendsbeleuchtung der Stadt war ich ein wenig enttäuscht, oder ich war einfach viel zu weit weg von den Objekten, die im Tageslicht oder in der unmittelbaren Nähe viel interessanter wirken, als vom Riesenrad gesehen. Das nervöse Blinken des Eiffelturms wirkt m.E. wie die Beleuchtung eines kitschigen Weihnachtsbaums.
Hier ist ein Beispiel der näheren Betrachtung von den Pariser Sehenswürdigkeiten bei Nacht: ein Blick über die Seine mit gespiegeltem Licht der Uferlaterne auf die beleuchtete Notre-Dame.

Die letzten Stunden vor der Abreise haben wir im Jardin du Luxembourg, – einem der beliebtesten Pariser Parks, verbracht. Hier erholen sich nicht nur die Studenten der in der Nähe gelegenen Sorbonne, sondern entspannen sich Anhänger von Yoga und asiatischen Einzelkampfsportarten, üben Choristen und Schauspieler.

Die symmetrischen Wege des Parks schmücken über 80 Figuren u.a. der französischen Königinnen. Benannt wurde der Park nach dem Palais du Luxembourg, das zu Beginn des 17. Jh. im florentinischen Stil für Maria Médici (Witwe Heinrichs IV.) erbaut wurde. Etwas versteckt im Schatten großer Bäume liegt die Fontaine de Médicis, ein Brunnen im Stil italienischer Grotten.

Was für ein Aquarium mit bunten Plastikflaschen im Vordergrund steht, bleibt fürs nächste Mal zu klären.

 

Das war’s erstmal über Paris und über unseren kurzen Sommerurlaub.

© 2003—2008 Valentina Behn