Fotoalbum "Berlin (3): Schloss Charlottenburg. Sanssouci"

Hier besichtigen wir zwei gelungene architektonische Ensembles in Berlin und in Potsdam.

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Das Schloss Charlottenburg haben wir nur von außen angeschaut. Vor dem Schloss stehen zwei gleiche Gebäude mit den Türmchen. Die Frage über den Zweck dieser Gebäude bleibt offen.

Der Winter hat seine Vorteile: beim Fotografieren stört das Laub weniger.

Das Schloss wurde innerhalb von ca. 100 Jahren (um)gebaut. Das alte „Sommerschlösschen Litzeburg“ hat der Architekt Nering im Auftrag des preußischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm III. für dessen Frau Prinzessin Charlotte gebaut. In der ersten Variante gab es keinen Turm und keine Kuppel.
Nachdem im Jahr 1713 der Kurfürst als erster preußischer König Friedrich Wilhelm I gekrönt wurde, baut der Architekt Eosander von Goethe einen 48 Meter hohen Turm mit einer Kuppel in der Mitte des Schlosses auf und ergänzt das Gebäude links und rechts mit zwei Flügeln.
Im Jahre 1791 nach dem Projekt von Langhaus (Erbauer des Brandenburger Tors) erscheint in dem Westflügel des Schlosses Charlottenburg ein Theater als Verlängerung einer Orangerie. Somit hat das heutige Schloss eine Länge von 505 Meter.
Eine Parade der restaurierten Figuren im Hinterhof des Parks.
Vor dem Schloss liegt, wie es dazu gehört, ein großer Barockpark mit den niedlichen Figürchen, den breiten Wegen, dem „Schwanensee“.
Potsdam. Park Sanssouci.
In Potsdam, das heute über eine S-Bahnlinie mit Berlin verbunden ist, hat Friedrich der Große (II.) seine Sommerresidenz innerhalb von 2 Jahren (1745-47, Arch. Knobelsdorff) errichten lassen. Das Schloss Sanssouci (franz. „ohne Sorgen“) sollte ein kleines, ganz auf die privaten Bedürfnisse des Königs zugeschnittenes Gebäude werden. Von 12 Räumen des Schlosses wurden 5 für Gäste geplant. Eines davon bewohnte Voltaire als Gast am Hofe Friedrichs II. (1750-1753).
Friedrich II bestimmte im wesentlichen Lage und Aussehen des ganzen Ensembles selbst. Vor dem Schloss sehen wir einen terrassierten Obstgarten, wo neben Kirsch-, Aprikosen- und Pflaumenbäume in flachen Nischen Feigen und Weintrauben gepflanzt sind.

Die königliche Begeisterung für die Flora führte zu dem Begriff „friderizianisches Rokoko“. In das Standardelement des Rokoko – eine Muschel – wurden viele „pflanzliche“ Elemente wie Blätter, Weintrauben, Blumen usw. eingefügt.

Der linke Flügel des Schlosses Sanssouci.
Die Kolonnade ergänzt den Hinterhof des Schlosses.
Ganz weit hinten stehen künstliche Ruinen auf dem Ruinenberg.
Im Hintergrund sehen wir die „Historische Windmühle“ (Arch. Van der Bosch, Ende 18.Hd.). Ein gelbes Gebäude davor ist das Schloss Neue Kammern, was nach Plänen von Knobelsdorff 1747 als Orangerie für Kübelpflanzen der Terrassen erbaut wurde. Im Sommer fanden hier Theatervorstellungen statt. 30 Jahre später baut Unger die Orangerie als Gästeappartements um. Trotz der Klassizismusverbreitung in Europa wird das Sanssouci-Ensemble weiterhin im Stil friderizianisches Rokoko“gebaut.
Wir gehen der Hauptallee entlang in Richtung Neues Palais. Auf dem halben Weg erscheint nördlich der Allee ein Orangerieschloss auf dem Klausberg, das der "Romantiker auf dem Thron" Friedrich Wilhelm IV. von 1851-1864 erbauen ließ. Zum Andenken an seinen Großvater Friedrich II. plante er, eine Triumphstraße nördlich des Parks anzulegen. Das Brandenburger Tor (sehen wir etwas später) und das Orangerieschloss sind die einzigen realisierten Werke dieses Projektes.

Eins der Schlossräume ist mit Kopien nach Werken Raphaels dekoriert. Andere Räume wurden wieder als Gästeappartements geplant, diesmal für den russischen Zar Nikolaus I. und für seine Gattin Charlotte (Schwester des Königs Friedrich IV., nach der Eheschließung Alexandra Fjodorovna).

Zwei Kilometer vom kleinen Schloss Sanssouci entfernt steht das prächtige Neue Palais. Gebaut wurde es innerhalb von 7 Jahren (1763-69) gleich nach dem Siebenjährigen Krieg.
Das war der prunkvollste Schlossbau Friedrichs des Großen und gilt als letzte bedeutende Schlossanlage des preußischen Barock. Die geplante Ziegelbacksteinverkleidung hat man überwiegend doch nur durch die Vortäuschung des Backsteinmusters realisiert, weil der Bau wegen des langsamen Ziegelnachschubs sonst viel zu lange gedauert hätte.
Zwei hübsche Wirtschaftshäuser auf der Westlichen Seite des Neuen Palais dienen zusätzlich als ein gelungener Vorhang vor der früher unattraktiven Moorfläche. Momentan werden diese Häuser durch die Uni Potsdam genutzt.
Über 200 Räume, vier Festsäle und ein Theater befinden sich im Schloss.

Ein riesiger Festsaal im Neuen Palais hat einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen: Der Muschelsaal im Erdgeschoss wurde an den Wänden und Pfeilern mit einem Belag aus Muscheln, Glas und glänzenden Steinchen, von denen manche DIN-A4 Größe (!) haben, versehen.

Beim letzten Kaiser Wilhelm II., der bis 1918 im Schloss wohnte, wurde die Installation einer Dampfheizung und elektrischen Lichts durchgeführt. Außerdem stehen schon damals Badezimmer und Toiletten in den einzelnen Quartieren sowie ein Fahrstuhl (seit 1903) im Nordtreppenhaus zur Verfügung.

Wir kehren wieder langsam aus dem Park zurück. Südlich von der Hauptallee steht ein hübsches Chinesisches Haus (1754-57 – so lange wegen des Siebenjährigen Krieges gebaut; Arch. Büring). Dieser Gartensaal – ein gutes Beispiel der Chinamode (Chinoiserie) - diente auch als Teehaus.
Im idyllischen Marlygarten (ein südöstlicher Teil des Parks Sanssouci) liegt die Friedenskirche (1864), die oberitalienischen Klosterbauten nachempfunden ist. Die Kirche wurde auf Wunsch und unter naher Beteiligung des religiösen und künstlerisch begabten Königs Friedrich Wilhelm IV. gebaut. In der Kirche befindet sich die königliche Gruft.
Im Kirchenhof. Die Kirche ist eine Säulenbasilika mit einem freistehenden Glockenturm.
Ein Landschaftsbild „San souci“.
Wir verlassen den schönen Park. Den östlichen Abschluss des Parks bildet das Obeliskportal. Die schmückenden Hieroglyphen auf dem Obelisk waren der freien Fantasie des Künstlers Knobelsdorff überlassen und beinhalten keinen Text. Im 18. Jh. war die Übersetzung der Schriftzeichen noch nicht möglich. Hinter dem Obelisk weiter links sehen wir das Brandenburger Tor.
Das Triumphtor außerhalb des Parks sollte den Beginn einer geplanten, aber nie realisierten Triumphstraße anzeigen. Im Zuge dieses Projektes ließ Friedrich Wilhelm IV. 1851 das Triumphtor nach Motiven des Bogens der Goldschmiede in Rom durch den Architekt Stüler errichten.

Das war’s erstmal über Berlin und Potsdam. Vielen Dank an die Berliner Kollegen für eine nette Begleitung!

© 2003—2008 Valentina Behn